Jugireise 2020

Wer am Samstagmorgen des letzten September-Wochenendes am Dorfplatz vorbei kam, mag sich wohl ab der doch eindrücklich grossen Menschenmenge gewundert haben, welche sich da um diese Uhrzeit versammelt hatte. 60 Kinder und 8 Leiter. Ein selten gewordenes Bild, gerade in diesem speziellen Jahr. Vermutlich war aber genau das einer der Gründe, weshalb sich so viele Kinder für die diesjährige Jugireise begeistern liessen. Nach der zwanghaften Pause durch Corona schien sich jeder zu freuen, dass es nun endlich wieder etwas Action bei der Jugi gibt. Zurecht, wie sich Ende des Wochenendes herausstellen sollte…
So wagten es die 8 Hirten, die ungewohnt grosse Herde in den Kanton Bern zu führen. Nach gut 2 ½ Stunden Bus- und Zugfahrt gelangten wir zum ersten Highlight diesen Wochenendes. Das Freilichtmuseum beim Ballenberg. Dass es da wohl viel zu entdecken gibt, ahnten unsere kleinen Schützlinge bereits und die Vorfreude stieg rasant an. Nach der Aufteilung in drei Gruppen erhielten wir jeweils eine kleine, einstündige Führung durch einzelne Teile des riesigen Geländes. Dabei erzählten die Sightseeing-Guides viele Geschichten über das frühere Leben in der Schweiz. Wie haben die Bauern früher gelebt auf der Alp? Wie wurde Käse hergestellt und wie entstand Butter? Dazu stets die Live Eindrücke der nachgebauten Häuser und Utensilien von damals… Die Kinder waren fasziniert und liessen sich in eine längst vergangene Zeit entführen.
Nach der Führung traf man sich wieder bei einem gemütlichen Rastplatz im Park, welcher für unsere Kids ein kleines Paradies bot. Nebst einem Spielplatz, welcher natürlich heiss begehrt war, gab es auch vieles in der Tierwelt zu entdecken. Hühner, Gänse, Schweine, Geissen… schon beinahe ein kleiner Zoo. Insbesondere das Schweingehege schien viele anzuziehen und zu faszinieren… woran das wohl gelegen haben muss? Nachdem wir bisher grosses Glück mit dem Wetter hatten – so hatte der Wetterbericht viel Regen und Kälte versprochen, wobei wir jedoch bis anhin trocken blieben und ab und zu sogar schnell aufwärmende Sonnenstrahlen geniessen durften – schien es langsam aber sicher zu kippen. Die kalte Biese und Streifschüsse von leichten Regenschauern sorgten dafür, dass sich die Kälte langsam aber sicher in unseren Knochen festsetzte. So trieb es den Grossteil der Herde langsam Richtung Unterkunft, während die hart gesottenen noch nicht genug vom Spielplatz hatten und der Kälte noch etwas länger trotzten. Spätestens zum Abendessen trafen sich aber alle wieder in der wohligen Wärme unseres Unterschlupfes. Spagetti Bolognese, genau das Richtige bei diesem Wetter. Und es schien geschmeckt zu haben, denn nicht wenige Kinder liessen sich die Teller nochmals und nochmals auffüllen. Die Bettruhe liess nicht lange auf sich warten und während sich unsere Schützlinge in ihre Schlafsäcke einkuschelten, liessen die 8 Hirten den Abend entspannt in einer gemütlichen Runde ausklingen.
Am Sonntagmorgen war Putzen angesagt (natürlich nicht ohne ein kräftespendendes Frühstück!). Während die Sonne sich von ihrer besten Seite zeigte, brachten wir die Unterkunft wieder auf Vordermann, bevor es dann mit Sack und Pack wieder aufging. Nach einer kurzen Busfahrt auf den Brünig hiess es nun «Wandern, wandern, wandern…». Wir durchkreuzten eine wunderbare Landschaft aus weiten Wiesen und Wäldern, umgeben von eindrücklichen Alp- und Bergspitzen. Und auch heute meinte es der Wettergott gut mit uns; kein einziger Regentropfen verirrte sich auf die Erde, und sogar die kalte Biese von gestern hatte sich «verbiestet». Nach gut einer Stunde Wanderzeit erreichten wir einen kleinen Rastplatz, wo wir uns niederliessen und in aller Ruhe den Mittags-Lunch geniessen konnten. Danach hatten wir noch etwas Zeit, die Kegelbahnen vor Ort auszutesten. Jede sorgte mit anderen Hindernissen und Tücken für einen gewissen Schwierigkeitsgrad, was das Ganze noch etwas spannender machte.
So, nun aber weiter jetzt. Es folgte der letzte, kurze Abstieg vom Brünig bis zum nächsten Bahnhof, von wo aus wir wieder mit Zug und Bus Richtung Ottenbach düsten. Während die einen nun langsam ihrer Müdigkeit erlagen und sich in einen leichten Dämmerschlaf einwickeln liessen (womöglich träumten sie ja von den alten Bergbewohnern… oder doch eher von der beliebten Schweinefamilie?), nutzten andere die lange Zugfahrt für Gesellschaftsspiele oder den übrig gebliebenen Mittags-Lunch, der es dank interessanter Ablenkung nicht mehr in den Magen geschafft hatte.
Schlussendlich gelang es den 8 Hirten tatsächlich, die gesamte Herde ohne Verlust und Schaden wieder nach Hause zu geleiten. Bravo!
Es war ein spannendes, eindrückliches und auch sehr intensives Wochenende. Vielen Dank an das Leiterteam und ein grosser Dank an Sandra, welche dieses super Weekend organisiert hat.
–Gioia Strebel–